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08.02.2010 - Bambi, Balou oder Winnie Puuh: Naturanalphabeten Kinder

Ob Kinder tatsächlich glauben, dass Kühe lila sind, sei einmal dahingestellt. Tatsache aber ist, dass immer weniger Kinder und Jugendliche Tiere und Pflanzen aus eigener Anschauung kennen. Das sagte Prof. Marcus Hammann, Direktor des Zentrums für Didaktik der Biologie an der Universität Münster, im Interview mit der Deutschen Presseagentur (DPA).

Das Umweltbewusstsein deutscher Kinder lässt zu wünschen übrig. Laut Hammann zeigen verschiedene Untersuchungen, dass sowohl die Artenkenntnis als auch die Bereitschaft, sich für die Umwelt zu engagieren, abnehme. "Wissenschaftlich eindeutig ist, dass das Interesse für Biologie bei Kindern ab der sechsten Klasse rückläufig ist. Pflanzen schneiden hier noch schlechter ab als Tiere", erklärt Hammann. Immer seltener könnten Kinder von realen Naturerlebnissen berichten. Der Grund: Die heutige Kindergeneration bei uns wachse immer intensiver in einer Lebenswelt auf, die durch eine Fülle von auditiven und audiovisuellen Medien in verschiedenen Versionen und Programmen geprägt ist.

Die BLK (Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung) wies bereits 1995 darauf hin, "dass Medienereignisse für Kinder und Jugendliche oft einen höheren Stellenwert gewinnen als Ereignisse aus der unmittelbaren Umgebung und der ’realen Welt’." Die Übergänge zwischen nichtmedialen, d. h. realen Erfahrungen und den medialen Erfahrungen werden fließend. So kennen Kinder die Natur nur noch durch Trickfilme wie Bambi, die aber die Natur verniedlichend abbilden, so die BLK weiter. "Ein Problem, was damit einhergeht, ist, dass die Natur fälschlicherweise als hilflos wahrgenommen wird. Wenn man aber mal an das Erdbeben in Haiti denkt, da hat sich die Natur keineswegs hilflos gezeigt", so Hammann.

Seiner Meinung nach müssen die Schulen vermehrt zur Vermittlung realer Naturerlebnisse beitragen. Aber auch das Elternhaus kann helfen, dass Kinder die Natur nicht nur als Bambi oder Tom und Jerry erfahren, sondern live entdecken können. Bei einem Ausflug in einen nahegelegenen Wald – auch ein FriedWald bietet sich hierzu an – hören Kinder statt Handyklingeltöne Vogelgezwitscher und lernen die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt kennen.

Machen Sie eine virtuelle Führung durch den FriedWald (Flash-Video)

BLK - Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung

Zentrum für Didaktik der Biologie Uni Münster

Naturgewalt Erdbeben - Keine Zeit für Trauer in Haiti








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